Es war ein lauwarmer Nachmittag, als sich eine kleine Menschenmasse im Logo in Hamburg aufhielt und eine riesige vor der Tür stand, um noch eine Karte zu erhaschen. Das Konzert war restlos ausverkauft. Natürlich. Ich hatte Glück, ich war bei der Presse und so ging es einfach über Akquise, aber aufgeregt war ich schon, denn ich wollte unbedingt da hin: Deftones in einem kleinen Club. Deftones in meiner Stadt.

Die Vorgruppe spielte schon. 4LYN. Die kannte ich noch von früher, als sie noch HEADTRIP hießen und ich mit meiner Band "gegen" sie gespielt habe. Aber sie sind besser geworden, auch wenn ihr "Yo! Was geht ab!" irgendwann nervte. Ich holte mir Bier an der Bar und wartete auf das "nun unser letzter Song!" von der Vorgruppe.

Nach einer recht kurzen Umbaupause war es endlich soweit. Die Jungs aus Sacramento kamen durch eine kleine Tür vom Bühnenrand und die Menge flippte aus. Verständlich. Sie begannen mit "My Own Summer" und nun war allen klar, was sie vorhatten: Rock 'n' Roll!
Ich stand etwas abseits, denn wer das Logo kennt, der kennt auch die niedrige Deckenhöhe und das Geländer unter der Decke, an welchem man sich festhalten kann. Die Menge ist abgegangen, denn die Bühne ist nur kniehoch und einen Graben gibts auch keinen. Sie konnten der Band so nah sein wie noch nie und sie waren es.

Ich geniesse lieber aus dem Hintergrund, seitdem mir ein Bekloppter ins Gesicht gesprungen ist und ein Teil meines Gesichts über Jahre hinweg taub war. Ich hatte einen guten Platz und die Deftones gaben alles, um niemanden auch nur die Luft zu lassen, um mehr zu verlangen. Mehr ging auch nicht. Alle waren selig, alle waren fertig und wollten nur noch eins: Nach Hause und realisieren, wie nah sie doch heute ihrer Lieblingsband waren.